Verlierer des Tages: ARTE und der WDR

Die beiden Sender hatten eine Dokumentation zum Thema Antisemitismus in Europa in Auftrag gegeben, und weigerten sich diese auszustrahlen. Grund dafür sind eine angebliche Unausgewogenheit und sogenannte „handwerkliche Mängel“. Dass eine solche Dokumentation zurückgehalten wird, sorgt für lebhafte Diskussionen im Netz und auch in der Presse. Nun hat BILD-Online den Film für 24 Stunden auf der eigenen Seite im Internet veröffentlicht. Damit ist er gleichzeitig dauerhaft verfügbar, weil er auf den üblichen Videoplattformen landet.

Endlich…

wird nun der Inhalt des Films und nicht die Blockade des WDR zum Thema. Ja, der Film ist parteiisch. Ein Film über Antisemitismus muss parteiisch sein. Neutralität gegenüber Unrecht ist selbst Unrecht. Auch legt der Film einen deutlichen Fokus auf den arabischen Antisemitismus und auch auf dessen Verharmlosung durch die politische Linke. Der Antisemitismus von rechts wird eher kurz abgehandelt. Ist das legitim? Ich meine: Ja. Denn diese Ausprägung des Antisemitismus ist zu Recht häufig Thema in den Medien. Dass es in der AfD mit Leuten wie Herrn Gedeon oder beim Front National Antisemiten gibt, und dass für die NPD Judenhass einfach dazugehört, weiß nun wirklich jeder. Aufklärung über arabischstämmige Rapper, die Hass auf Israel verbreiten, oder die BDS-Bewegung ist da notwendiger. Hier fehlt vielen noch das Problembewusstsein. Das macht die Dokumentation wertvoll. Antisemitismus ist eine Einstellung, die in praktisch allen gesellschaftlichen und politischen Gruppierungen auftritt. Er beginnt nicht erst beim Vernichtungswerk der Nazis.

Auftrag vernachlässigt

Mit der Weigerung den Film zu zeigen vernachlässigen ARTE und der WDR ihren Bildungsauftrag. Gerade in einer Zeit, in der der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit seinen hohen Gebühren stark in der Kritik steht, ein schwerer Fehler. Ein privates Medium korrigiert diesen Fehler, ohne dabei das Erstausstrahlungsrecht der Sender zu beachten. Nicht ganz legal, aber ich meine legitim. ARTE und der WDR lernen auf die harte Tour, dass sich Inhalte heute praktisch nicht mehr zurückhalten lassen. Wenn einmal genug Menschen Zugriff auf eine Information haben, landet sie früher oder später in der Öffentlichkeit. Die Gatekeeper-Funktion der Medien erodiert, auch wenn es hier ein großes Medienhaus war, dass den Inhalt geleakt hat. Es hätte aber auch eine Einzelperson sein können, die den Film veröffentlicht.

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