Delfine, die Freiheit und die Moral

Delfine

Heute macht ein Bericht im Netz die Runde wonach eine französische Mutter ihren Sohn nicht an einem Schulausflug in ein Delfinarium teilnehmen lies. Da sie dies auch auf Facebook postete, entspann sich eine allgemeine Diskussion. Diese hat mittlerweile auch Deutschland erreicht. Der Grund für die Nichtteilnahme ist der Tierschutz. Delfine, die in Freiheit durchaus über 100 km pro Tag zurücklegen in einem Bassin zu halten, kann kaum artgerecht sein. Selbst wenn man das Training für die Shows als positive Beschäftigung sieht, fehlt den Tieren doch Bewegung und das Meer. Nicht umsonst hat Frankreich die Haltung von Delfinen und Orcas in Gefangenschaft verboten.
Lediglich die bisher so gehaltenen Tiere sind davon ausgenommen, auch weil Auswilderungen oft scheitern.

Delfine in Nürnberg

Meeressäuger sind nun wirklich nicht mein Spezialgebiet, aber da der Tiergarten Nürnberg auch Delfine hält, mache ich mir schon meine Gedanken. So modern die Anlage auch ist, so richtig rund läuft die Delfinlagune dennoch nicht. Seien es Baumängel die zu erheblichen Mehrkosten führen oder eine Serie von Delfinkälbern, die kurz nach der Geburt verendeten. Die Bedenken sind also nicht nur theoretisch-ethischer Natur, nein, die Delfinhaltung ist auch ganz praktisch ziemlich problematisch und kostspielig.

Besuchermagnet oder Dauerproblem

Bei der Diskussion über die Delfine in Nürnberg ist eine der Fragen auch immer, ob eine Delfinshow heutzutage noch ein Besuchermagnet ist, oder ob sie nicht vielmehr Menschen vom Besuch der Tiergartens abschreckt. Denn die Akzeptanz der Delfinhaltung schwindet auch in Deutschland. Je mehr die Menschen über Delfine wissen, desto weniger sind sie davon begeistert diese intelligenten Tiere in  Bassins zu halten. Die Gegner der Delfinarien erhalten in der Sache immer mehr Zustimmung. Auch wenn ihre Aktionen (Störung einer Show mit Rauchbomben) zum Teil wirklich dämlich sind. Auch da heiligt der Zweck nicht die Mittel.

Und jetzt?

Meine ganz persönliche Meinung ist, dass sich Nürnberg und auch ganz Deutschland (Ansonsten gibt es noch im Zoo Duisburg Delfine) von der Delfinhaltung verabschieden sollte. Die Haltung entgegen den natürlichen Bedürfnissen der Tiere ist auch durch den Wert der Delfinarien in der Wissensvermittlung für Kinder nicht mehr zu rechtfertigen.
Ich habe nichts Grundsätzliches gegen Zoos, aber man muss sich schon genau überlegen, welche Tierarten man hierzulande wirklich artgerecht halten kann. Delfine gehören meiner Ansicht nach nicht dazu.
Deshalb finde ich eine Regelung wie in Frankreich sinnvoll. Die aktuell in den Delfinarien lebenden Tiere sollten die letzte Generation in Gefangenschaft sein.

Ist das liberal?

Verbote und Liberalismus klingen ja wie eherne Gegensätze, dennoch kann ich mich als Liberaler für ein Ende der Delfinhaltung in Deutschland aussprechen. Es geht ja aktuell nicht um ein Verbot, sondern den Verzicht kommunaler Einrichtungen auf die kostspielige Delfinhaltung. Andere Arten, deren Bedürfnisse leichter beziehungsweise überhaupt zu befriedigen sind, locken auch Besucher an und sind auch weniger aufwendig zu halten.

Erdmännchen
Possierlich, oder?

 

Ein Gedanke zu „Delfine, die Freiheit und die Moral“

  1. „…jetzt bloggt der auch noch.“ – Na da sage ich doch „gut so“ …. ein guter Bloggbeitrag der von gesundem Menschenverstand und einem Herz am rechten Fleck zeugt! – Auch wenn man nicht grundsätzlich gegen Zoos sein muss möchte ich dennoch (und das geht eigentlich in alle Lebensbereiche) einmal einen Gedanken anregen – überall tönt es „ich liebe Tiere“ hmm schnell gesagt und gedacht, doch wie weit geht Deine so innige Liebe? Deine Zuneigung, hört sie vielleicht schon dort auf wo Du auf etwas verzichten müsstest um Zeichen zu setzen für mehr Würde was unsere Mitgeschöpfe betrifft, wo Du auch mal nein sagen könntest, solltest und müsstest um Deiner Liebe eine kraftvolle Glaubwürdigkeit zu schenken? Gerade bei den Delfinen hängt man sich noch so gerne daran auf, dass auch sie Botschafter sein sollen für die Weltmeere. Die Weltmeere sind mittlerweile so dermaßen verschmutzt und von Mikroplastik durchsetzt, man könnte sich fragen: hat das etwas mit Egoismus, Ignoranz, Lieb- und Respektlosigkeit zu tun? Was also sollte die Botschaft von im Kreis dümpelten Meeressäugern „Grossen Tümmlern“ sein an uns Menschen? Es ist ok uns in ein künstliches Minibecken zu sperren um dann zu sehen wie wir Kunststücke vollführen die wir in der Natur so gar nicht machen. Ist das Liebe? Ist das achtsam, respektvoll oder einfach doch nur lieblos, ignorant und egoistisch?

Kommentar verfassen